Schlitzscharfstellsystem von Meopta

Wie funktioniert eigentlich das Schlitz-Scharfeinstellsystem, das fast alle Meopta-Vergrößerer eingebaut haben?

Fokussierung am Spalt

Zum Fokussieren eines Negativs im Vergrößerer wird vorrangig eine Kante oder ein anderer kontrastreicher Bildteil herangezogen. Nur mit einer homogenen Fläche zu fokussieren ist ohne Hilfsmittel praktisch nicht möglich. Erst bei sehr großen Abbildungsmaßstäben oder Verwendung eines Kornscharfstellers kann das Korn zur Fokussierung verwendet werden.

Die beste Möglichkeit, auf die Negativebene zu fokussieren wäre, wenn das Negativ nur aus einem beleuchteten Spalt bestünde.

In der nebenstehenden Zeichnung ist die scharfe und unscharfe Abbildung eines Luftspaltes, also eines aus zwei Blechkeilen gebildeten Spaltes, dargestellt.

Liegt die Schärfenebene genau an der engsten Stelle (blaue Linie), dann ist der Spalt fokussiert und wir erhalten eine scharfe, kontrastreiche Abbildung des reinen Hell-Dunkel-Übergangs. Liegen Schärfeebene und Spaltebene auseinander (rote Linie), erhalten wir eine unscharfe Abbildung, wobei der Spalt breiter wirkt und zwischen Dunkelteil und hellem Spalt ein fließender Übergang zu beobachten ist.

Es ist somit bei der Fokussierung genau die Stelle der kontrastreichsten Abbildung zu finden. Durch mehrmaliges, langsames Durchfahren des Schärfebereichs ist dies zu erreichen. Es wird somit nach einem Maximum des Kontrastes gesucht.

Das Schlitz-Scharfstellsystem

Dieses bei Meopta eingesetzte System bedient sich nun eines Tricks, um dieses iterative Fokussieren durch Durchfahren des Schärfebereichs zu beschleunigen.

Es ist nämlich deutlich einfacher, anstatt eines Maximum der Helligkeitsverteilung (das Spaltbild) zu suchen, eine geometrische Gegebenheit einzustellen. Diese ist hier eine durchgezogene Linie, die von Anfang bis Ende gleich breit ist und keine Knicke hat.

Wie wird das erreicht? Zunächst einmal wird wieder ein Luftspalt eingesetzt. Allerdings ist dieser in zwei Hälften geteilt.

Bei der forderen Hälfte wird rechts oben und links unten je eine Kante angebracht. Diese Kanten bewirken, daß (je nach Stellung der rot gestrichelten Schärfeebene) eine Hälfte des Unschärfebildes ausgeblendet wird, wohingegen die andere Hälfte noch mit dem Helligkeitsverlauf zu sehen ist. Die hintere Spaltebene ist genau spiegelverkehrt aufgebaut.

Damit ergibt sich das in der Abbildung gezeigte Spaltbild. Liegt die Schärfeebene an der rot gestrichelten Stelle, so wird vom Objektiv das unscharfe Spaltbild projiziert. Im oberen Bereich wandert der Spalt scheinbar nach rechts hinaus, im unteren nach links. Scharf ist die Abbildung dann, wenn beide Spalthälften eine durchgezogene Linie bilden.

Dies ist viel einfacher und genauer zu erreichen, als nur die Spaltbreite zu minimieren.

labor/schlitz.txt · Zuletzt geändert: 06.12.2013 19:51 von Alexander Selzer
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